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Die Geschichte der achtachsigen Rangierdiesellokomotiven ist nicht besonders spektakulär aber dennoch symbolisch für die Zeit der politischen Wende in den Ländern Mittel- u. Osteuropas.
Die tschechische Lokomotivindustrie lieferte im Rahmen des Abkommens innerhalb des Rates Gegenseitiger Wirtschaftshilfe (RGW) der sozialistischen Ländern neben E-Lokomotiven vor allem dieselelektrische Rangierlokomotiven in die Sowjetunion. Allein von der Reihe Tschme3 wurden insgesamt 7459 Loks in die SU oder deren Nachfolgestaaten geliefert. Mit den insgesamt 7855 gebauten Fahrzeugen dürfte diese Reihe, zumindest im Bereich der Rangierlokomotiven, zu dem meistgebauten Loktyp der Welt gehören. Noch heute ist sie im Bereich der ehemaligen SU nahezu überall zu finden.
Auf einigen großen Rangierbahnhöfen wurden und werden sie in Doppeltraktion eingesetzt. Vor allem im Bereich der Donezker Eisenbahn stehen diverse "Doppelloks" im schweren Rangierdienst. Sie sind miteinander Führerhaus an Führerhaus gekuppelt und durch Kabelverbindungen elektrisch miteinander steuerbar.
Um diesen aufwendigen und teuren Betrieb zu abzulösen, wurde von der Firma CKD in Prag eine achtachsige dieselelektrische Lokomotive mit einer Leistung von 2000 PS entwickelt.
Die Lokomotiven Tschme5 0001 und 0002 wurden 1986 gebaut und im Depot Lublino der Moskauer Eisenbahn beheimatet. Dort wurden sie eingehenden Erprobungen bis zum Jahr 1992 unterzogen.

Die zweite Lieferserie, Tschme5 0003 bis 0012, wurde direkt vom Hersteller an das Depot Wolnowacha der Donezker Eisenbahn geliefert und dort in Dienst gestellt.

Im Jahr 1991 wurde die Tschme5 0004 auf dem Versuchsgelände des Institutes für Schienenfahrzeuge in Tscherbinka verschiedenen Tests unterzogen und anschließend ans Depot Wolnowacha zurückgegeben.
Nach dem Ende der Sowjetunion und dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatengemeinschaft und der damit einhergehenden wirtschaftlichen Probleme verlor man sehr schnell das Interesse an den achtachsigen Außenseitern der Reihe Tscme5 und stellte sie neben vielen anderen Fahrzeugen in Lokreserven ab. Die technischen Probleme, welche u.a. auch in der Konstruktion begründet waren, haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen. Ersatzteile oder die Beschaffung neuer Lokomotiven mussten nun in harte Währung bezahlt werden. Der drastische Rückgang des Güterverkehrs verlangte auch nicht nach neuen Fahrzeugen. Viele, erst wenige Jahre alte Loks wurden abgestellt und starben einen rostigen Tod in den Lokreserven. So zum Beispiel die erst 1985 gebauten Loks der Reihe 2TEP60 der lettischen Eisenbahn, die bereits Anfang der neunziger Jahre abgestellt wurden, da ein grenzüberschreitender Reiseverkehr des, nunmehr unabhängigen Lettlands, in die Nachbarländer nur noch auf wenige Zugverbindungen zusammengestrichen wurde.

In technischer und ökonomischer Hinsicht waren die Tschme5 den ,ebenfalls achtachsigen TEM7 aus russischer Produktion ähnlich. Gegenüber der tschechischen Konkurrenz wurde die TEM7 bereits in größeren Stückzahlen erfolgreich eingesetzt.
Als man sich in Lublino besann eine Tschme5 als Museumsstück der Nachwelt zu erhalten, war deren Zustand bereits mehr als schlecht. 1996 wurden die beiden Loks in Lublino bereits aller für die Tschme3 verwendbaren Teile beraubt und kurz darauf zusammen mit der 2M62 0902 (A-Teil) zerlegt. Die halbe "Maschka" kam aus dem Depot Barnaul der westsibirischen Eisenbahn und wurde bis zur Verschrottung am Eisenbahntechnikum "FED" in Lublino als Ausbildungsobjekt bzw. Trainingsanlage verwendet.
Das Pech der beiden russischen Tschme5 war das Glück der TE2 088! Anstelle eine, der im schlechten Zustand befindlichen Tschme5 aufzuarbeiten, entschied man sich die TE2 088 fürs Museum herzurichten. Damit endet die Geschichte der Tschme5 0001 und 0002 in Russland.
Etwas besser erging es den 10 Loks in der Ukraine.
Nur wenig länger als die russischen Schwesterloks standen sie bei der Donezker Eisenbahn im Betriebsdienst und wurden danach ebenfalls in Lokreserven abgestellt. Bisher konnten zwei als Denkmäler bzw. Museumsloks für die Nachwelt gerettet werden. Die Tschme5 0008 bereichert die interessante Fahrzeugsammlung im Eisenbahnmuseum von Donezk, welches sich unmittelbar gegenüber vom Bahnhofgebäude befindet. Vor dem Lokschuppen der ehemaligen Station Jusowo, so hieß Donezk u.a. einmal (später dann auch Stalino) präsentiert sie sich den Besuchern in einer eher blassen Farbgebung (hellblau-weiß mit schwarzem Fahrwerk).

In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Wolnowacha wurde die letzte, die Tschme5 0012, auf einem Gleisstück als Denkmal aufgestellt.
Noch im Jahre 2000 konnten bei der Vorbeifahrt an der Lokreserve Tschernuchino (Donezker EB) mindestens 3 weitere Maschinen ausgemacht werden. Leider war ein Besuch dieser Reserve von "oberster Stelle" nicht genehmigt worden.
Ein recht interessanter Besuch des Donezker Eisenbahnmuseums im Sommer 2003 brachte noch folgende Information ans Tageslicht. So wurde uns erzählt,
"daß ein baltisches Museum sehr großes Interesse an einer Tschme5 habe. Nur, was zur Zeit der Sowjetunion innerhalb des Landes sicherlich ohne größere Probleme vonstatten gegangen wäre scheitert heute daran, daß es sich um völlig unterschiedliche Staaten handelt."
Zumindest ein Hinweis darauf, daß im Sommer 2003 noch weitere Tschme5 vorhanden waren.

Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle auch das Schicksal der TEM7 0001 und 0002 bleiben. Sie waren bis 1995 im Depot Swerdlowsk Sortirowatschnij beheimatet. Ohne sich des technisch-historischen Wertes der beiden Prototypen im Klaren zu sein wurden auch diese beiden Loks zerlegt.
Vielleicht sind die Bemühungen von Erfolg gekrönt, die TEM7A 0001 der Nachwelt zu erhalten. Vorrausgesetzt, man weiß wo sie sich befindet. Und Russland ist groß....
(Aus dem russischen übersetzt und ergänzt von Tatjana und Detlef Hanschke)
(Alle Fotos: Sammlung Detlef Hanschke)
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