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Der Bau des Schmalspurnetzes im Bereich der Städte Tichwin und Boksitigorsk begann im Jahr 1938. Im Zusammenhang mit der Entstehung einer Fabrik zur Verarbeitung von Torf zu Briketts machte sich der Bau einer Torfbahn erforderlich. Aus diesem Grund wurde eine 10km lange Schmalspurbahn zum Sumpf Larjanskoje verlegt. Die Arbeiter, welche diese Bahn erbauten, wurden im neu entstandenen Dorf Larjanstroj (heute Larjan) untergebracht.
Zum Einsatz kamen Motordraisinen und Dampflokomotiven der Serie 157. Die Motordraisinen kamen aus dem Werk des "Januaraufstandes" in Odessa und waren mit Motoren des Typs ST3-HT3 ausgerüstet.
Der ständig steigende Bedarf an Torfbriketts führte zur Vergrößerung der Fabrik. Damit einher stieg natürlich die Abbaumenge der Torffelder. Nördlich des Sees Dimskoje wurde im Jahr 1941 ein weiteres Torfabbaugebiet erschlossen. Zu diesem wurde eine weitere schmalspurige Eisenbahn verlegt, die das abgebaute Torf zur Fabrik beförderte. In unmittelbarer Nähe zum Torffeld wurde das Dorf Bagernij gegründet, welches zur Unterbringung der Arbeiter diente. Hier entstand auch das Depot. Es wurde vollständig aus Holz errichtet.
In der Nachkriegszeit wurde die Modernisierung des Betriebes fortgesetzt. Bei der Torfgewinnung setzte sich die Methode des Fräsens durch. Bis zu dieser Zeit wurde das Torf gestochen. Die Dampflokomotiven RT4 wurden hier ebenso heimisch wie die Motordraisinen der Reihe MUS4.
Im Jahre 1949 wurde das Dorf Krasawa gegründet. Hier wurden vor allem die Arbeiter der neu entstandenen Fabrik zur Herstellung von Torfplatten untergebracht. Um dieses Werk mit dem Rohstoff zu versorgen und gleichzeitig die Abfuhr der Produktion zu gewährleisten, wurde vom Ort Bagernij eine weitere Schmalspurbahn bis Krasawa eröffnet. Gleichzeitig verband man die Orte Larjan und Bagernij mit einer Eisenbahn, so daß sich die Torfbahnen zu einem Ring formierten. Dieser umfasste den Sumpf von Larjanskoje.
Das Dorf Krasawa plante man direkt auf dem Sumpf zu erbauen! Um für den Ort die nötigen Baustoffe zu bekommen wurde neben dem Fluß Woloschka eine Sandgrube erschlossen. Der Sand sollte für die notwendige Standfestigkeit sorgen, um darauf die Häuser zu errichten. Die Sandgrube wurde mit einer schmalspurigen Stichbahn an das bereits bestehende Netz angeschlossen.
In Krasawa errichtete man ein neues Depot und eine "Reparatur-mechanische Werkstätte" für das rollende Material der Bahn. Daraufhin wurde das Örtchen Bagernij sowie das dortige Depot liquidiert.
Die Verlängerung der Schmalspurbahn bis nach Tichwin erfolgte im Jahr 1951. In Tichwin bestand die Möglichkeit des Verladens von Torf und Torfprodukten in die Breitspurwagen. Die Aufgaben übernahm die Firma MOGES. Das Unternehmen verfügte im Lokomotivpark über vier Dampflokomotiven WP, eine PT4, eine Dampflok der Serie 157 und zwei Draisinen ST3-HT3. Den Torf transportierte man in Wagons vom Typ UMW.
1953 beschaffte man in Krasawa eine deutsche dreiachsige Motordraisine aus Reparationslieferungen. Diese war auf Grund ihrer hohen Achslast für den Einsatz auf dem Torfbahnnetz nicht geeignet und wurde abgestellt.
Anfang der fünfziger Jahre war das Torfverarbeitungswerk in Krasawa auf der Suche nach neuen Torfabbaugebieten. Unweit des Dorfes Mulewo und südlich von Krasawa wurde man fündig. Zu diesen neuen Förderstellen verlegte man entsprechende Schmalspurgleise. Der Abbau des Torfflözes erfolgte in der Fräsmethode.
Die Torfgewinnung in den neuen Abbaugebieten machte die Anfuhr aus dem Gebiet Larjan überflüssig. Bis Mitte der sechziger Jahre bestand die Verbindung zwischen den ehemaligen Stationen Bagernij und Larjan. Zu diesem Zeitpunkt begann man diese Verbindung zu demontieren. Von nun an waren die Bahnen vom biochemischen Werk in Boksitogorsk und der Torfverarbeitungsfabrik in Krasawa voneinander getrennt.
Ebenfalls in den sechziger Jahren führte man neue Technik auf diesen Bahnen ein. In Krasawa wurden zwei selbstgängige Bürstenschneeräumer "SSCHS" sowie Passagier- u. Feuerlöschdraisinen der Typen PD1 und PDM3 beschafft. Für die Verlegung der Zweigstrecken stellte man zwei Bau- u. Reparaturzüge SRP2 aus der Maschinenfabrik Kambarka in Dienst. Die Antirebsaggregate entsprachen den Draisinen MD54-4.
Für den Zugdienst verwendete man vier selbstfahrende Elektrostationen vom Typ ESU-1. Diese waren für den Einsatz auf dem leichten Oberbau bestens geeignet.
Die nun nicht mehr benötigten Dampfloks wurden außer Dienst gestellt und der Transportverwaltung in Schaturskoje bzw. einem der Waldbahnbetriebe in Karelien übergeben.
Im Wagenpark verblieben die Fahrzeuge vom Typ UMW.
Auf den Strecken von Boksitigorsk verdrängten die Motordraisinen MD54-4 die Dampflokomotiven aus dem Dienst.
Zur Torfverladung in Larjan machte sich das Verlegen neuer Strecken erforderlich. In speziellen Containern wurde der Torf auf Flachwagen zur Weiterverarbeitung transportiert. Diese Flachwagen basieren auf dem Typ PDB-3.
Im Verlauf der achtziger Jahre ist es zu einer weiteren Modernisierung des Fahrzeugparks gekommen.
Die Bahnen in Einzugsbereich von Krasawa wurden nun durch drei Diesellokomotiven der Serie TU6A und einer ESU-2 bedient, welche die ESU-1 ablösten. Anstelle der SRP2 Bau- u. Reparaturzüge wurden nun Gleisverlegemaschinen der Bauart PPR-2 verwendet. Diese kamen aus der Maschinenfabrik in Gumbinsk. Ebenfalls neu war der Einsatz der Dieselloks TU6D. Die Wagonfabrik Demichowo lieferte neue Güterwagen für den Torftransport, welche die älteren Typen nach und nach ersetzten.
Analog der Veränderungen auf den Bahnen um Krasawa veränderte sich auch der Fahrzeugpark in Boksitogorsk. Für den Streckendienst wurden zwei Dieselloks vom Typ TU6A und eine aus der Serie TU6D sowie eine ESU-2 neu in Dienst gestellt. Eine neue Gleisverlegemaschine vervollständigte den modernisierten Fuhrpark.
Perestrojka und Glasnost gingen auch an den hier beschriebenen Torfbahnen nicht spurlos vorüber. Der schwierige wirtschaftlich Start der neunziger Jahre machte sich auch hier bemerkbar. Die drastische Reduzierung der Nachfrage an Torf und Torfprodukten führte zur Einstellung der Umladung von der Schmalspurbahn auf die Breitspur in Larjan. Die Kapazität des biochemischen Werkes in Boksitogorsk wurde auf ein Minimum reduziert. Daraufhin beschlossen die Verwaltungskräfte die Stillegung der Bahnen um Boksitogorsk, welche im Jahr 1994 verwirklicht wurde. Kurz darauf begann der Abbau der Strecken.
Das Verarbeitungswerk in Krasawa beendete Mitte der achtziger Jahre die Verladung des Torfes auf Breitspurwagen in Tichwin und verschrottete die Verladeanlage. Wenig später wurden die Strecken der Bahn von der Grenze der Torfabbaugebiete bis zum Revier Woloschsinskij, die Linie zum ehemaligen Dorf Bagernij und bis Mulewskoj demontiert.
Der Frachtumschlag auf den verbliebenen Strecken fiel deutlich zurück, so daß zeitweise die Hälfte des Fahrzeugparks außer Dienst gestellt wurde.
In Tichwin findet noch die Verladung von Abfallspänen statt, zu der sich jeden Tag eine TU6A oder eine ESU-2 mit ihrem Zug auf den Weg macht.
Im Torfabbaugebiet gibt es täglich 1-2 Züge zur Versorgung des Werkes in Krasawa. Diese Züglein bestehen aus 5-6 Wagen. Zur Verlegung von Gleisen im Torffeld steht noch immer eine Maschine zur Verfügung.
Planmäßigen Reiseverkehr hat es auf den Strecken der Torfbahnen von Krasawa und Boksitogorsk nie gegeben. Die Arbeiter wurden in den Lokomotiven oder Draisinen zu den Abbaugebieten gefahren.
Dem Unternehmen bleibt an dieser Stelle nur zu Wünschen, daß es, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, weiterhin viel Glück beim Betrieb ihrer Bahn hat.
Fotos vom jetzigen Betrieb zwischen Tichwin und Krasawa können wir erst nach dem Besuch im Rahmen
unserer Oktobereisenbahnfahrt im Juni 2006 zur Verfügung stellen.
Quelle: Lokotrans
Autoren: Alexander Korsakow und Aleksej Schischin / St.Petersburg
(Übersetzt und bearbeitet von Andrej Nastenko und Detlef Hanschke)
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