Russland - Oblast Kaliningrad 2006

Eisenbahn im nördlichen Ostpreußen
vom 03. bis 09. September 2006


Sehr geehrte Reiseteilnehmer,

herzlich willkommen zur Reise in einen Landstrich, der wie kaum ein zweiter unter den politischen Ereignissen des vergangenen Jahrhunderts zu leiden hatte. Als der zweite Weltkrieg, der von deutschem Boden ausgegangen war, zurück in sein Ursprungsland kam, schlug er zuerst in Ostpreußen mit aller Härte zu. Der so liebliche Landstrich verwandelte sich in eine Trümmerwüste, die anmutige Hafen- und Handelsstadt Königsberg wurde nach der Erklärung zur "Festung" nahezu dem Erdboden gleich gemacht. Die nunmehrige Oblast Kaliningrad fungierte von Kriegsende bis Anfang der 1990er Jahre als Sperrgebiet, das nur noch militärischen Interessen zu dienen hatte. So blieb das Gebiet rückständig; die Narben des letzten Krieges sind bis heute unübersehbar.
Wenn auch zögerlich, so öffnet sich der völlig von EU-Ländern umzingelte westliche Außenposten Russlands seit einigen Jahren für den Tourismus. Dank eines rührigen Bürgermeisters versucht der Kurort Svjetlogorsk erfolgreich an die Traditionen des altehrwürdigen Seebades Rauschen anzuknüpfen. Den imposanten Wanderdünen auf der Kurischen Nehrung werden wir ebenso einen Besuch abstatten, wie auch dem wiederaufgebauten Königsberger Dom. Wir werden eine Runde durch das noch recht gut erhaltene Stadtzentrum von Sovjetsk drehen, besser bekannt als Tilsit. Unser Hauptziel jedoch sind die Eisenbahnstrecken der "Kaliningrader Eisenbahn", der kleinsten Eisenbahndirektion Russlands.
Besonders, wenn Sie zum ersten Male in der Oblast Kaliningrad weilen, wird es Sie erstaunen, in welch hervorragendem Zustand sich Infrastruktur und Fahrzeuge befinden. Momentan wird der Diesellokpark erneuert. Neue Passagierzuglokomotiven der bewährten Kolomna-Baureihe TEP70 wurden 2004 geliefert. Nagelneu sind auch die Rangier- und Nahgüterzuglokomotiven TEM18D, die seit 2005 im russischen Brjansk produziert werden und die legendären TEM2 ersetzen. Allgegenwärtig im Güterzugdienst sind die "Taigatrommeln" M62 / 2M62 / 2M62U aus dem ukrainischen Lokwerk Lugansk. Eine rekonstruierte M62 ist vor dem regelspurigen Schnellzugpaar zwischen Kaliningrad und dem polnischen Braniewo im Einsatz. Eine weitere (ebenso in den russischen Nationalfarben lackierte) wird auf 1520 mm Spur von Tschernjachovsk (Insterburg) aus eingesetzt. Vier neue, kleine RA1-Triebwagen aus dem Fahrzeugwerk Mytyschtschi ergänzen seit über zwei Jahren die Flotte der D1- und DR1A-Triebwagen von Ganz-Mávag bzw. RVR. Von RVR aus Riga stammen auch die ER2-Elektritschka-Triebwagen, die auf einem von Kaliningrad ausgehenden, etwa 90 Kilometer umfassenden elektrifizierten Nahverkehrsnetz tätig sind. Neben den beiden tadionellen Führerstandsformen finden wir mittlerweile auch eine neue Baufrom von rekonstruierten Triebzügen. Die Signaltechnik entspricht dem Standard des ehemaligen sowjetischen MPS (analog den EZMG-Stellwerken bei der Deutschen Reichsbahn). Für das besondere Flair jedoch sorgen preußische Bahnhofs- und Dienstgebäude, wie sie noch immer die Strecken säumen.
In der Oblast Kaliningrad wird heute ausschließlich Russisch gesprochen. Besonders im Tourismus tätige Menschen haben auch Fremdsprachen erlernt.
Die Infrastruktur befindet sich im Allgemeinen nicht auf westeuropäischem Stand. Das Mobilfunknetz ist jedoch mittlerweile flächendeckend. Bankautomaten gibt es zwar in den größeren Städten, jedoch gibt es mit westeuropäischen Karten häufig Probleme. Wenn Sie Bargeld für kleine Einkäufe nebenbei benötigen, nehmen Sie am besten Euro- oder US-Dollar-Bahnknoten mit, die Sie an den häufig existierenden Wechselstuben ("Obmjen Valutyj") unkompliziert in Russische Rubel tauschen können. Eine solche Wechselstube besitzt auch der Bahnhof Kaliningrad Jushnyj. Die von den westlichen Reisebüros empfohlenen Touristenhotels bieten mittlerweile einen brauchbaren Standard, auch in Sachen Sicherheit. Trotzdem empfiehlt es sich auch hier, wie überall, Wertsachen nicht unbeaufsichtigt im Hotelzimmer liegen zu lassen.
Da wir leider keinerlei Einfluss auf das Wetter haben, empfiehlt es sich, festes, hohes Schuhwerk und regenbeständige Kleidung mitzunehmen.

Die Reise wird veranstaltet von Udrius Armalis aus Kaunas (Litauen) und begleitet von Detlef Hanschke. Durch eine vorherige gemeinsame Tour sind beide ein eingespieltes Team. Um den Tag gut zu nutzen, werden wir stets zeitig beginnen und in der Regel auf ein Mittagesssen in einem Restaurant verzichten (Kaltverpflegung bzw. Lunchbeutel). Unser Hotel bietet uns Frühstück und ein warmes Abendessen.
Bei den Streckenaufnahmen haben wir meistens eine Ermessenspielraum in Abhängigkeit von Wetter und Zugverkehr. Im Zweifelsfalle stimmen wir demokratisch ab ...

Reiseplan

Tag Reiseplan
03.09.
So
Anreisetag.
Bahn - laut Fahrplan 2005 (ändert sich in D/PL zum 11.12.05; in Russland im Mai 2006):Berlin-Lichtenberg ab 21.45 D 345 "Kasztan" (Bettkarten notwendig)
Im RZD-Kurswagen Berlin-Lichtenberg - Kaliningrad Jushnyj (ex Königsberg Hbf) fahren wir ohne Umsteigen durch
04.09.
Mo
Zugfahrt / Charterbus
Ankunft unseres Zuges Pass 7: Kaliningrad Jushnyj an 15.01 (Moskauer Zeit)
Nachdem wir unseren Charterbus bestiegen haben haben, wollen wir unverzüglich mit unserer Hobbytätigkeit beginnen. An diesem Nachmittag konzentrieren wir uns auf Aufnahmen der Strecke, die wir soeben regelspurig befahren haben. Auf Breitspur sind in Richtung Laduškin (ex Ludwigsort) - Mamonovo (ex Heiligenbeil) D1- und DR1A-Triebzüge unterwegs. 18.48 startet unser Zug seinen Rückweg nach Berlin. Diesmal wollen wir ihm an einem fotogenen Ort auflauern.
Anschließend beziehen wir unser Hotel in Kaliningrad.
05.09.
Di
Charterbus / Sonderzug
Am Morgen holen wir uns erste Eindrücke von der Magistrale Kaliningrad - Tschernjachovsk (ex Insterburg), über die der Transitgüterverkehr nach Litauen und weiter nach Russland, Weissrussland und in die Ukraine abgewickelt wird. Fotostandorte suchen wir uns im Raum Ozerki (ex Groß Lindenau) - Gvardejsk (ex Tapiau) - Znamjensk (ex Wehlau). Wir erwarten zwei schwere Passagierzüge mit TEP70, Nahverkehr mit DR1A und, wenn uns das Glück hold ist, Güterzüge mit 2M62 bzw. 2M62U.
Mittags starten wir mit einem Sonderzug (D1-Triebwagen) zu einer Fahrt von Kaliningrad Jushnyj nach Svjetlyj (ex Peyse) oder, wenn man uns die nicht planmäßig befahrene Strecke freigibt, nach Jantarnyj (ex Palmnicken). Im Fahrplan werden wir bei der Kaliningrader Eisenbahn Zeit für ausreichende Fotohalte beantragen.
Nach der Rückkehr in Kaliningrad fahren wir mit unserem Bus an die Strecke nach Bagrationovsk (ex Preußisch Eylau), die für Regel- und Breitspur ausgelegt ist. Hier vor allem wurden die neuen RA1-Nahverkehrstriebwagen im Einsatz gesichtet. Hotel: Kaliningrad
06.09.
Mi
Charterbus
Heute ist zeitiges Aufstehen angesagt. Weil der Fahrplan auf der Strecke Kaliningrad - Polessk (ex Labiau) - Sovjetsk (ex Tilsit) sehr ungünstig für uns ist, müssen wir bereits gegen 05.00 Uhr starten, um die beiden Triebwagenzüge der Strecke nahe Sovjetsk zu erwischen. Danach werden wir uns über die Betriebslage erkundigen und versuchen, wenigstens einen der durchschnittlich zehn Güterzüge zwischen Sovjetsk und Tschernjachovsk vor die Linse zu bekommen.
Gegen Mittag besichtigen wir das Depot Tschernjachovsk, das die Baureihen 2M62, M62, TEM3 und TEM18D beheimatet. Weil wir schon das Frühstück aus der "Tüte" hatten, planen wir heute ein Mittagessen in einem Restaurant.
Frisch gestärkt, begeben wir uns an die Magistrale in Richtung Litauen. Hier sind vor allem Gussev (ex Gumbinnen) und Nesterov (ex Stallupönen) von Interesse. In Nesterov haben wir bei zwei "Passashirskij"-Zügen die Chance, eine der betagten litauischen TEP60 zu erleben, da hier der Lokwechsel von russischen auf litauische Reisezuglok durchgeführt wird (bei den Güterzügen führt man den Lokwechsel im litauischen Kybartai durch). In Abhängigkeit vom Zugverkehr können wir auch Aufnahmen von den weitläufigen Tschernjachovsker Bahnhofsanlagen wagen.
Hotel: Kaliningrad
07.09.
Do
Charterbus
Heute wird es (voraussichtlich) etwas ruhiger. Zunächst begeben wir uns noch einmal an die Strecke nach Laduškin, wo wir, dank des Lichts aus einer anderen Richtung unsere Fotomotive variieren können. Danach widmen wir uns kurz dem Magistral-Verkehr nahe Ozerki. Am späten Vormittag folgt der Besuch des Lokomotivdepots Kaliningrad. Hier erwarten uns Dieselloks der Reihen TEP70, M62, 2M62, 2M62U, TEM2, TEM3 und TEM18D, Dieseltriebwagen D1, DR1A und RA1 sowie "Elektritschka"-Züge (ER2, ER2K). Wenn sie nicht inzwischen den Weg des alten Eisens gegangen sind, besuchen wir noch einige Wracks der Reihe TE (ex DR Baureihe 52), die aus der aufgelösten Lokreserve Mamonovo stammen.
Anschließend fahren wir in die Innenstadt von Kaliningrad, wo wir - etwas verspätet - zu Mittag speisen werden. Keinesfalls wollen wir es versäumen, den wiederaufgebauten Dom zu besichtigen. Den späten Nachmittag kann man individuell nutzen, um eigene Erkundungen in der Stadt durchzuführen. Für hartgesottene Eisenbahnfreunde, die die Plattenbauten im Zentrum weniger interessant finden, bietet sich die Möglichkeit, ausgiebig ankommende und abfahrende Passashirskij- und "Elektritschka"-Züge zu fotografieren. Bei schönem Abendlicht bietet sich noch die Möglichkeit einer Streckenaufnahme des regelspurige Berliner Schnellzuges.
Hotel: Kaliningrad
08.09.
Fr
Charterbus / Zugfahrt (Heimreise)
Am Morgen empfangen wir die beiden aus Sovjetsk kommenden Triebwagen im Stadtgebiet oder in der Nähe von Kaliningrad. Im Verlaufe des Vormittags widmen wir uns den elektrischen Triebwagenzügen, die auf dem Netz der früheren Samlandbahn zwischen Kaliningrad und den Badeorten Zelenogradsk (ex Seebad Cranz), Pionerskij (ex Neukuhren) sowie Svjetlogorsk (ex Seebad Rauschen) verkehren. In Svjetlogorsk gibt es eine kleine Standseilbahn die Steilküste hinab zum Strand. Das Mittagessen in einem Restaurant am Meer soll die "Henkersmahlzeit" unserer Reise sein. Mit der Genehmigung aus Zelenogradsk ausgerüstet, fahren wir danach auf die Kurische Nehrung zu den Wanderdünen, eines der bekanntesten Naturdenkmälern der Region. Danach heißt es Abschied nehmen.
Abfahrt: Kaliningrad Jushnyj ab 18.48 Uhr, Pass. 8 (im Kurswagen durch bis Berlin Lichtenberg/Bettkarten erforderlich)
09.09.
Sa
Ankunft: Berlin-Lichtenberg an 07.44 Uhr, D344 "Kasztan"

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